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Stück für Stück - Theater und Orchester Heidelberg

Das Interview führte Andreas Stanita
Fotos: Julia Mittelhamm

Maria wiegt den sterbenden Andreji in ihren Armen und singt ihm ein Schlaflied – dann fällt der Vorhang und tosender Beifall bricht im Marguerre-Saal des Heidelberger Theaters aus. Am 24. November 2012 ist es vollbracht: nach mehr als drei Jahren Bauzeit bringt Tschaikowskis Oper „Mazeppa“ das Herz der Heidelberger Theaterwelt wieder zum Schlagen – inmitten der Altstadt.

Sieben Jahre später: die Zeit der provisorischen Bühnen scheint fast vergessen. Auch an die Vorzüge der neuen Räumlichkeiten hat man sich zwischenzeitlich gewöhnt und so herrscht betriebsamer Alltag am Theater Heidelberg. Doch immer, wenn neue Kollegen voller Vorfreude ans Haus kommen oder staunende Besucher hinter die Kulissen geführt werden, wird es hier allen wieder schlagartig klar: dieses Theater ist etwas ganz Besonderes.

Auf 8.465 Quadratmetern Fläche ist eine einzigartige Symbiose aus Tradition und Moderne entstanden. Durch meterhohe Glasfenster fällt Tageslicht ins Innere und setzt das faszinierende Wechselspiel von Innen- und Außenfassaden atemberaubend in Szene. Entlang historischer Mauern und moderner Wände aus Sichtbeton führt der Weg hinein in dieses an Dynamik und Flexibilität kaum zu übertreffende Raumkonzept. Rund

64 Millionen Euro, davon 20 Millionen an Spenden, haben Neubau und Renovierung insgesamt gekostet. Eine mehr als lohnenswerte Investition in die Zukunft einer Tradition, die hier am 31. Oktober 1853 ihren Anfang nahm.

Heute ist das Theater Arbeitsplatz von rund 320 Festangestellten, die täglich alles dafür geben, den rund 210.000 jährlichen Besucherinnen und Besuchern ein unvergessliches Kulturerlebnis zu bieten. Für dieses Ziel wird geplant und geprobt, geschneidert und geschreinert, gemalt und dekoriert, geschweißt und geschwitzt. Heimburger Immobilien ist überglücklich, unseren Lesern einen exklusiven Blick hinter die Kulissen des Hauses gewähren zu dürfen und freut sich auf einen spannenden Theatersommer 2019.

Schauspielintendant Holger Schultze im Gespräch mit 21

 Seit Beginn der Spielzeit 2011/12 ist Holger Schultze Intendant des Theaters und Orchesters Heidelberg. Nach einer mehr als spannenden Anfangszeit hat sich der gebürtige Berliner bestens in der Stadt am Neckar eingelebt.

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 Herr Schultze, erinnern Sie sich an Ihren allerersten Besuch in Heidelberg?

Das ist schon eine Weile her. Es müsste im Rahmen eines Ausflugs vor über 30 Jahren gewesen sein. Jürgen Bosse leitete damals als Schauspieldirektor das Nationaltheater in Mannheim. Im Rahmen dieses Besuchs bin ich auch nach Heidelberg gekommen. Rückblickend würde ich sagen, dass ich die Stadt damals schon als das kennenlernen durfte, was sie auch heute ist: ein Postkartenidyll, das auf einzigartige Weise das Flair einer Großstadt mit dem Charme einer Kleinstadt zum Gesamtkunstwerk einer Kulturstadt verbindet.

Heidelberg ist ein begehrter Wohnort. Wie verlief Ihre Wohnungssuche, als Sie hergezogen sind?

Das war 2011. Ich hatte viel Glück und habe schnell gefunden, was ich suchte: eine Wohnung am Puls der Stadt. Ich wohne unweit des Marktplatzes inmitten der Altstadt. Mir ist es wichtig, in Laufnähe zum Theater zu wohnen – mittendrin unter den Menschen. Das ermöglicht mir, in den schönen Cafés auch mal spontan ein „Stadtbüro“ zu eröffnen. Aber es stimmt: Es ist nicht leicht, in Heidelberg eine Wohnung zu finden. Oft ist man auf professionelle Unterstützung angewiesen. Das merke ich u. a. bei unseren Schauspieler*innen, die häufig den Wohnort wechseln. Auch für sie ist die Nähe zum Arbeitsplatz wichtig – nicht immer ein leichtes Unterfangen.

Haben Sie einen Lieblingsort hier am Theater Heidelberg?

Diese Frage ist leicht zu beantworten (lacht): die Bühne – wie sollte es auch anders sein. Sie ist das Herzstück des Theaters, dort konzentriert sich unser Leben, auf das dortige Geschehen kommt es an.

Gibt es ungewöhnliche Orte in Heidelberg, die Sie gerne als Spielstätte nutzen würden?

Da gibt es viele in Heidelberg und ich liebe es, sie als Spielstätten zu erschließen. Gerne denke ich an die Inszenierung auf dem ehemaligen US-Hospital-Gelände zurück, an das Projekt „In deinem Pelz“ hier im ehemaligen Gefängnis in der Altstadt oder an „Wo die Barbaren leben“ im Botanischen Garten im Neuenheimer Feld. Auch 2019 gehen wir wieder raus und erschließen neue Orte. Lothar Kittstein und Bernhard Mikeska werden im September im Elefantenhaus des Zoologischen Gartens das Schauspiel „Der sechste Kontinent“ uraufführen. Man darf jetzt schon gespannt sein!

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Aus der Sicht eines Intendanten: Worin liegt die Herausforderung, in einen Neubau einzuziehen?

Sie spielen auf unsere Situation 2012 an? Das war eine aufregende Zeit. Die Planungsphase des Theaterneubaus und der Beginn der Bauarbeiten fielen in die Zeit von Peter Spuhler, meines Vorgängers. Mir wurde die Aufgabe zuteil, die Fertigstellung der Bauarbeiten zu begleiten. Ein besonderer Nervenkitzel, der viele Proben zum Klang der Presslufthämmer beinhaltete. Das Ergebnis entschädigt aber für alle vergangenen Strapazen. Wir könnten nicht glücklicher sein, eine der modernsten Spielstätten Deutschlands unser Zuhause zu nennen.

Zurück ins Hier und Jetzt: Welche Inszenierung sollten Theaterinteressierte – und alle, die es demnächst noch werden – 2019 auf keinen Fall verpassen?

Man sollte keine der Inszenierungen an unserem Haus verpassen (lacht). Ich fiebere gerade der Premiere „Die Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht Ende Juni entgegen. Im Rahmen meiner Neuinszenierung wird es sehr musikalisch zugehen und es wird einen starken Gegenwartsbezug geben, soviel sei vorab verraten. Bereits jetzt haben wir wegen der großen Nachfrage am 25. Juni eine Zusatzvorstellung angesetzt.

Sehr energievoll werden auch die diesjährigen Schlossfestspiele: Es wird gemunkelt, dass es u. a. brennende Stuntmen geben soll … Und die außergewöhnliche Spielstätte, den Dicken Turm, kann man tatsächlich nur mit einem Theaterticket kennenlernen. Ansonsten bin ich natürlich sehr auf eine Neuauflage unseres iberoamerikanischen Theaterprojekts Anfang 2020 gespannt.

Es muss nicht immer Heidelberg sein: zum Besuch welches anderen Theaters raten Sie dringend?

Es gibt so viele spannende Theater. Die Heidelberger genießen das Privileg, die Vielfalt von Theaterarten  und -formen in unmittelbarer Nähe erfahren zu können. Dazu gehören z. B. die Staatstheater in Karlsruhe und Stuttgart, das Schauspielhaus Frankfurt, das Nationaltheater Mannheim. Nutzen sie die Gelegenheit und genießen Sie das großartige Spektrum, das sich Ihnen bietet.

Theater und Orchester Heidelberg
Theaterstraße 10
69117 Heidelberg
www.theaterheidelberg.de

 

 
 
 

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