NOT–A–HOTEL 濱渦伸次

NOT–A–HOTEL wurde 2020 von Shinji Hamauzu gegründet und gilt heute als eines der spannendsten Wohnkonzepte Japans. Die Idee: Grenzen zwischen Residenz, Ferienhaus und designorientiertem Rückzugsort auflösen — durch geteiltes Eigentum an spektakulären Villen im ganzen Land. Über 30 Häuser an acht Standorten stammen von Architekten wie Sou Fujimoto, der Bjarke Ingels Group, NIGO oder Yosuke Aizawa. Mehr als Architektur versteht sich NOT–A–HOTEL als Gemeinschaft für Menschen, die einen flexiblen und ästhetischen Lebensraum suchen.

Herr Hamauzu, was war die ursprüngliche Idee, die Sie dazu gebracht hat, so radikal neu zu denken?

Ich stamme aus Miyazaki im Süden Japans und wollte dort eigentlich ein Strandhotel entwickeln – als Teil eines Projekts zur Belebung der Aoshima-Region. Als Banken nicht bereit waren, dieses Vorhaben zu finanzieren, kam ich auf die Idee, Anteile bereits im Vorfeld an Kunden zu verkaufen – allein auf Basis des ersten Entwurfs. Dieses Modell hat erstaunlich gut funktioniert, und so konnten wir Schritt für Schritt an weitere Orte expandieren. Nur fünf Jahre nach der Gründung betreiben wir heute über 30 Villen an acht Standorten zwischen denen Eigentümer auch wechseln können. Ich glaube, besonders diese Option trifft den Nerv unserer Zeit.

Alle Häuser sind sehr ausdrucksstark. Wie wählen Sie die Kreativen aus, mit denen Sie arbeiten – und worauf kommt es Ihnen dabei an?

Wir haben ein großes eigenes Architektenteam, viele Projekte entstehen aber auch aus persönlichen Kontakten und aus der Frage: Mit wem würde ich selbst gern zusammenarbeiten? Bei der Bjarke Ingels Group war es umgekehrt: Wir bekamen eine unerwartete E-Mail von ihnen – die wir zunächst für Spam hielten. Dass wir ein starkes Team im Haus haben, ermöglicht uns auch die Zusammenarbeit mit Kreativdirektoren, die keinen klassischen Architekturhintergrund haben. Ihre Ideen können wir so weit entwickeln, dass sie tatsächlich gebaut werden können. Auf diese Weise sind etwa die Villen mit NIGO und Yosuke Aizawa von White Mountaineering entstanden.

Neben Architektur spielt bei NOT-A-HOTEL auch Gemeinschaft eine große Rolle. Wie sieht der Austausch zwischen den Mitgliedern aus – und wie prägt das die Erfahrung?

Es ist eine Balance. Die meisten möchten ihre Häuser in erster Linie für sich selbst nutzen. Gleichzeitig gibt es in vielen unserer Anlagen Orte der Begegnung – Restaurants, Gemeinschaftspools, Lounges. Darüber hinaus organisieren wir auch eigene Veranstaltungen für unsere Community. Zuletzt hatten wir zum Beispiel ein Event, bei dem Sou Fujimoto über seine Arbeit sprach – er hat unsere Villa EARTH entworfen und war leitender Architekt der Expo in Osaka.

Die von NIGO gestaltete Owners’ Lounge in Tokio sorgt für besonderes Aufsehen. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande – und was bedeutet sie für Ihr Konzept?

2024 haben wir NOT-A-HOTEL TOKYO – THE NIGO HOUSE vorgestellt, das derzeit im Bau ist. Seitdem ist NIGO nicht nur Kreativdirektor, sondern auch Investor bei uns – gemeinsam mit Pharrell Williams. Als wir unser Büro in Tokio planten, wollten wir einen Teil davon als Clubhaus für unsere Eigentümer gestalten und haben NIGO die kreative Leitung übergeben. Er hat uns erlaubt, Teile seiner Sammlung seltener Spielzeuge zu zeigen, außerdem steht dort ein zerlegbares 6x6-Haus von Jean Prouvé – einem seiner Lieblingsdesigner.

Wenn Sie nach vorn blicken: Welche nächsten Schritte stehen an, und wie soll sich NOT-A-HOTEL international entwickeln?

Wir denken das Geschäft in drei Phasen. Die erste bestand darin, Villen in Japan für Menschen aus Japan anzubieten. In der zweiten Phase, in der wir uns derzeit befinden, öffnen wir den Besitz unserer Häuser auch für internationale Käufer. Die dritte Phase wird sein, selbst Villen im Ausland zu entwickeln. Dabei wollen wir sehr sorgfältig vorgehen: Unser Anspruch ist es, überall dieselbe Detailtiefe im Design und dieselbe Qualität in der Gastfreundschaft zu bieten wie in Japan.