Ich kann es mir nur so erklären, dass ich die Räume beziehungsweise den Raum damals komplett übergreifend gestaltet habe. Interiors, die von vorne bis hinten durchgestaltet sind,
haben immer eine besondere Ausstrahlung.
Die Wohnung ist ein gutes Beispiel dafür, wie ich üblicherweise plane. Ich habe zwei Jahre lang nur mit einer Schlafcouch gelebt, bis der Groschen fiel und ich dachte: Okay, jetzt habe ich den Dreh raus und eine Idee, die funktionieren könnte. Ich plane gesamtkonzeptionell, das heißt für mich: Es dauert erst mal länger, aber ich will alles von vorne bis hinten durchdacht haben. Da schwingt auch meine perfektionistische Veranlagung mit.
Das könnte man meinen, aber oft fällt das „Sich-Zeit-Lassen“ dem Zeitdruck zum Opfer. Auftraggeber wollen schnelle Ergebnisse sehen. Gute Innenarchitektur braucht Muße – man muss sich vom Großen ins Kleine arbeiten, zuerst Grundrisse wirklich gut durchdenken und dann Stück für Stück planen. Ich präsentiere ungern einzelne Teile eines unfertigen Puzzles. Ich mag es, am Ende ein schlüssiges Konzept zu haben, und freue mich über jeden Bauherren, der erkennt, dass der Mehrwert am Ende viel größer ist, wenn man den Dingen Zeit gibt.
Ich habe eine Tante in Kalifornien, die in einem sehr schönen Haus lebt und ein Händchen für Einrichtung hat. Schon bei Besuchen als Kind habe ich gemerkt, wie die ganze Familie es liebt, bei ihr zusammenzukommen. Alle Familienfeste fanden dort statt, weil es bei ihr so nett ist. Ich habe schon immer gern gezeichnet, aber meine Faszination für Innenräume kommt definitiv von ihr. Mich faszinierte, was Räume für eine Macht haben – dass sich Menschen denken: „Dort ist es schön, da wollen wir zusammenkommen und Zeit verbringen.“
Ich durfte einen Auslandsaufenthalt an der Parsons School of Design machen und habe dadurch viele Designer und Labels vor Ort kennengelernt. Viele davon bewundere ich noch heute, zum Beispiel Apparatus. Abgesehen davon gibt es eine ganze Reihe toller Hersteller aus Deutschland, die im internationalen Markt oft übersehen werden.
Viele hier sehen Deutschland nicht unbedingt als Designnation. Alle schauen nach Frankreich, Italien und Skandinavien, aber es gibt großartige Produzenten und Manufakturen von hier, die oft gar nicht in Erwägung gezogen werden, weil sie nicht sexy genug sind. Ich versuche vermehrt, Produkte in meinen Projekten zu platzieren und damit zu zeigen: Hey, in Deutschland gibt es viele Hersteller, die handwerklich sehr versiert sind – wir können da wahnsinnig viel. Ich bin gerade im regen Austausch mit kunsthandwerklichen Firmen, um schöne, funktionale Details mit langer Geschichte in meine Projekte einzubinden, zum Beispiel Glasmosaik!
Was mich am meisten geprägt hat, sind die 70er-, 80er-Jahre und die 90er mit der Postmoderne. Ich habe aber auch eine Faszination für arabische Interiors – auch japanisches Design finde ich toll. Aktuell arbeite ich an einem Projekt in München, das vom brasilianischen Modernismus inspiriert ist. Das ist das Schöne an meiner Selbstständigkeit: dass ich mich mit sehr unterschiedlichen Stilrichtungen befassen kann. Als Nächstes darf ich ein traditionelles Haus in Oberbayern gestalten. Was die eigene Markenbildung angeht, ist das vermutlich ein Kardinalfehler, aber ich will mich nicht auf einen Stil festlegen.
Das Wohlfühlen ist eine Sache, aber wenn man bereit ist, für ein cooles Interior Geld in die Hand zu nehmen, will man doch am Ende des Tages nach Hause kommen und sich ein bisschen sexy fühlen. Materialien wie Stahl, Glas und Leder, aber auch Lackmöbel, die gerade wieder im Kommen sind, laden Räume förmlich auf und stehen vollkommen im Kontrast zu einer beigen Wohlfühlwelt, die zuletzt sehr angesagt war.
Genau so habe ich es auch jahrelang gesehen und für mich kategorisch ausgeschlossen. Wie der Zufall so will, entdeckte ich ein wunderschönes altes de-Sede-Sofa bei einem Händler und habe mich unsterblich verliebt. Dann war klar: Was meine Wohnung braucht, ist ein schwarzes Ledersofa. Besonders gut macht es sich neben einem Stahltisch von Willy Rizzo.
Definitiv! Meine Eltern waren Diskothekenbesitzer. Sie gaben das Geschäft auf, kurz nachdem ich auf die Welt kam, aber unser Haus war noch voller Gegenstände aus der Disco – alte Schilder, und die Bar war bei uns zu Hause eingelagert. Ich habe all das mit Faszination begutachtet und fand die ganzen bunten Flaschen im Regal irre spannend. Als ich alt genug war, habe ich eine richtige Begeisterung für die Barkultur entwickelt. Ich gehe auch heute noch gern in Bars – von der klassischen American Bar bis hin zu experimentelleren Konzepten. An den Martini-Cocktail hat mich übrigens auch meine Tante aus den USA herangeführt. Für mich ist das eine sehr schöne Vorstellung von Ausgehen – auch in meinem eigenen Zuhause.Wer auch immer mich besucht: Es wird ein Aperitif oder Cocktail angeboten.
Da ich so tief in der Materie bin, habe ich hier und da versucht, die Bar in Projekten zu platzieren. Und die Menschen, mit denen ich gearbeitet habe, waren immer sehr offen. Interessanterweise setzt sich das gerade wieder mehr und mehr durch, und lustigerweise liebäugeln viele schon von sich aus mit der Idee einer Bar-Ecke.
Abgesehen von einer guten Auswahl an Spirituosen? Sie sollte gestalterisch interessant sein. Die Lichtinszenierung muss stimmen, sie muss aber auch funktional sein – das heißt, die Materialien müssen so ausgewählt sein, dass sie auch wirklich für die Zutaten, mit denen man hantiert, ausgelegt sind. So schön das aussieht, Marmor ist säureempfindlich. Limette und Zitronensaft sind Killer für jeden Marmor.



