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Cool, chic und ein wenig old money: Tennis wird am laufenden Band popkulturell aufgeladen. Dass der Sport eine unvergleichliche Ästhetik hat, findet auch Eva Lys. Und die 23-Jährige muss es wissen, denn sie ist deutsche Meisterin und steht bei den Australian Open und in Wimbledon auf dem Platz. Gerade aus New York zurück, erwischen wir sie zum Gespräch über das Leben als Profisportlerin und ihre kreative Seite, die bisher nur ihr engstes Umfeld kennt.

Eva, welchen Eindruck hat New York bei dir hinterlassen?

Ich glaube, die Stadt vereint für mich alles: den Sport, Lifestyle, die Kultur. Es ist toll, wenn man abseits des Platzes etwas erleben kann. Meistens spielen wir in Städten oder kleineren Orten, wo rund um den Tennisplatz nicht viel passiert. Deswegen ist es schön, auch mal in einer Metropole zu sein. Mich begeistern vor allem die Menschen in New York und die Atmosphäre ist sehr kreativ. Ich habe die Zeit dort wirklich genossen.

Gibt es andere Spielorte, die dich besonders inspiriert haben?

Australien ist ebenfalls ganz vorne mit dabei. Ich war bisher nur in Brisbane und Melbourne, und beide Städte haben bleibenden Eindruck hinterlassen Mir gefällt, wie sich die Menschen kleiden, der Lifestyle ist sehr cool und ich mag die Offenheit und den Humor der Australier. Ebenfalls immer eine Reise wert: Rom. Was alle drei Städte vereint, ist ein Sinn für Mode. Das gefällt mir, weil ich die meiste Zeit in Sportklamotten verbringe. Ich genieße es sehr, wenn ich mich neben dem Platz auch mal anders kleiden kann und nicht nur in Leggings und Hoodie herumlaufe. In diesen Städten kann ich das sehr gut ausleben. Ein Traum von mir ist, einmal eine Fashion Week zu besuchen! Ob in Paris oder New York, das spielt dabei erstmal keine Rolle.

Hast du noch mehr Punkte auf deiner Bucket List, die nichts mit Tennis zu tun haben?

Vor allem Orte, an denen ich Urlaub machen möchte. Das Lustige daran ist, dass ich an vielen davon schon war, um Tennis zu spielen. Nach Australien zum Beispiel würde ich gerne einmal zurückkehren, einfach nur um abzuschalten, Urlaub zu machen und kein Tennis zu spielen. Durch die Turniere hat man tatsächlich sehr, sehr wenig Zeit, um sich Sehenswürdigkeiten anzusehen oder die Kultur kennenzulernen. Klar hat man mal einen freien Tag, ich versuche dann so viel wie möglich zu unternehmen, aber wirklich Zeit zu haben, um Urlaub zu machen, ist etwas ganz anderes.

Wie sieht dein Koffer aus, wenn du auf Turnierreisen gehst?

Auf jeden Fall nicht praktisch. Ich bin eine katastrophale Packerin. Ich möchte für jedes Szenario gewappnet sein und würde am liebsten alles mitnehmen. Und deswegen habe ich, glaube ich, ein ganzes Haus mit in den zwei Koffern, mit denen ich reise. Es sieht auch tatsächlich nicht ordentlich darin aus. Ich habe zehn Paar Schuhe, hunderte Outfits – Tennis, Nicht- Tennis, Handtaschen, alles, was da reinpasst – und trotzdem habe ich das Gefühl, immer etwas vergessen zu haben.

Wie sorgst du unterwegs dafür, dass du dich zu Hause fühlst?

Ich habe das große Privileg, mit meiner Familie reisen zu dürfen. Mein Papa ist auch mein Coach und meine Familie ist auch der Grund, warum ich als Kind anfing, Tennis zu spielen. Es ist ein schönes Gefühl, sie immer an meiner Seite zu haben. So hat man stets ein Stück Heimat dabei.

Wie sieht ein typischer Trainingstag bei dir aus?

Das hängt davon ab ob ich mich gerade in der intensiven Vorbereitung befinde oder in der Phase zwischen den Turnieren. Wenn ich nach einem Turnier nach Hause komme und wieder Trainingswochen anstehen, habe ich in der Regel zwei bis drei Einheiten am Tag und dosiere das Ganze je nachdem, wie ich mich körperlich fühle. Mein Tag beginnt immer um neun Uhr auf dem Platz. Eine Stunde vorher bin ich schon auf der Anlage, um mich vorzubereiten. Danach folgen eine oder zwei Athletikeinheiten, manchmal auch eine Kombination aus Athletik- und einer weiteren Tenniseinheit. Dazwischen achte ich immer darauf, gut zu essen und habe meine Shakes vorbereitet. Solche Tage sind sehr voll, in einer Trainingswoche bleibt tatsächlich wenig Zeit für andere Dinge. Dazu kommt oft auch noch Physiotherapie, um die Belastung der Woche auszuhalten. Am Abend freue ich mich dann darauf, ins Bett zu fallen. Was mich durch den Tag bringt, ist gutes Essen, das ist für mich ganz wichtig.

Wie verbringst du deine Zeit, wenn du frei hast?

Wenn ich kein Training habe, versuche ich, so weit wie möglich von den Tennisplätzen entfernt zu sein. Ich beschäftige mich dann mit Dingen, für die ich unter der Woche sonst keine Zeit habe. Ich liebe es, kreativ zu sein. Ich habe immer meine Kamera dabei, treffe mich mit Freunden, gehe durch die Stadt. Und wie bereits angerissen: Ich liebe gutes Essen und probiere gerne neue Restaurants aus. Sollte ich mal die Zeit haben, versuche ich auch, Videos zu schneiden. In meinem Kopf spinne ich immer viele Ideen, was ich an einem freien Tag machen könnte. Und manchmal bin ich auch einfach faul. In den letzten Wochen hatte ich definitiv auch Tage, an denen ich gar nichts gemacht habe, einfach im Bett lag und eine Serie geschaut habe. Ich glaube, auch das ist Balance.

Was muss dein Zuhause haben, damit du abschalten kannst?

Ein bequemes Bett und das Licht sollte nicht zu grell sein. Was ich an Hotelzimmern oft ungemütlich finde, ist, wenn die Beleuchtung eher an ein Krankenhaus erinnert. Da fällt es mir schwer, richtig abzuschalten. Wenn ich ein kuscheliges Bett, am besten auch eine dicke, flauschige Bettdecke habe, dann fühle ich mich sehr wohl und kann bestens die ganze Nacht durchschlafen.

Hast du persönliche Rituale vor einem Match?

Jeder hat eine gewisse Routine. Ich war eine Zeit lang sehr abergläubisch, bis mein Trainer meinte: „Eva, das müssen wir ändern. Du wirst dein Match nicht verlieren, weil du heute etwas anderes gegessen hast als gestern.“ Dann habe ich angefangen, die Dinge bewusst anders zu machen, das heißt, mich nicht immer auf dem selben Platz einzuspielen, nur ein Gericht zu essen oder immer nur eine bestimmte Kabine zu benutzen.

Wie gehst du mit Druck um?

Ich würde lügen, wenn ich sage, ich habe die perfekte Strategie für den Umgang mit Druck. Ich wurde dieses Jahr das erste Mal so richtig mit dem Gefühl konfrontiert und hatte Momente, in denen es mir nicht gelungen ist, gut damit umzugehen. Ich merke aber, dass ich mich an das Gefühl und den richtigen Umgang damit gewöhne. Mir ist wichtig, das Leben nicht zu ernst zu nehmen. Ich weiß, dass meine eigene Erwartungshaltung immer sehr hoch ist. Ich nehme mir selbst Druck raus indem ich mir sage: „Eva, versuche nicht zu sehr auf das Ergebnis zu achten, sondern auf den Prozess“, das hilft mir, freier aufzuspielen. Andererseits sagt man ja auch: Pressure is a privilege.

Gibt es ein Buch oder einen Film, der dich in letzter Zeit zum Nachdenken gebracht hat?

Ich habe in den letzten Wochen das Werk des verstorbenen Autors und Kochs Anthony Bourdain für mich entdeckt. Ich lese gerade eines seiner Bücher und bin von der Art und Weise, wie er gelebt und gedacht hat sehr fasziniert, viele Zitate darin sind bei mir hängengeblieben. Er schien mit wie viel Humor an das Leben herangegangen zu sein.

Was würdest du gerne von dir zeigen, das Menschen noch nicht kennen?

Was ich gerne öfter und mehr zeigen will, ist meine kreative Seite. Auf dem Platz genauso wie daneben. Ja, man kann Tennis durchaus mit Fashion vereinen und den Sport aus einer sehr ästhetischen Perspektive zeigen. Auch Videografie, Fotografie und Kunst interessieren mich sehr. Es macht mir gerade viel Spaß, mich auszuprobieren und neue Disziplinen zu erkunden. Natürlich hat man als Tennisspielerin nicht so viel Zeit dafür, aber ich glaube, das ist ein kleines Hobby, das mir neben dem Platz Energie gibt.

Gibt es einen Ort, an dem du unbedingt einmal spielen oder leben möchtest?

Diese Frage habe ich mir in den letzten Wochen sehr oft gestellt: In welcher Stadt könnte ich leben oder würde ich gerne leben wollen? Wo würde ich gerne ein Turnier sehen? Und ich habe keine Antwort darauf! Ich bin in so vielen Städten gewesen und ich mag so viele sehr gerne. Dort wirklich zu leben, konnte ich mir aber nie vorstellen. Aktuell bin ich in Norddeutschland sehr glücklich, vielleicht ändert sich das ja irgendwann.