The Sound og Munich

Valentino Betz und Marvin Schuhmann machten, was sie während des Studiums eben so machten, sie legten auf und gestalteten Plakate. Daraus wurde ziemlich schnell Public Possession, Laden, Label und eine Gemeinschaft, deren verbindendes Element noch immer die Musik ist, aber weit darüber hinausgeht. Die neue Homebase von P.P. befindet sich auf einer renovierten Fläche im Luitpoldblock. Platten findet man dort nach wie vor.

Viele große Marken haben einen Gründungsmythos. Entstand Public Possession aus eurer Freundschaft heraus oder als bewusste Entscheidung, etwas Gemeinsames aufzubauen?

Sowohl als auch, wir kennen uns seit der fünften Klasse. Schon damals saßen wir gemeinsam am Tisch und haben gezeichnet und getextet. Irgendwann kam dann parallel zum Studium an der Kunstakademie (Valentino) und Studium der Philosophie (Marvin) das Plattenauflegen dazu. Danach war klar: Wir müs- sen das alles irgendwo bündeln.

Public Possession vereint Musik, Grafik, Text und Events. Wie schafft ihr es, diese Disziplinen so organisch zu verbinden?

Für uns sind das Elemente, die zusammengehören. Das war auch schon immer so. Bei den ersten Partys haben wir die Flyer selbst gestaltet, beim Musiklabel die Grafik und Cover für die Platten. Es macht Spaß, sich mit verschiedenen Medien zu beschäftigen, auf diese Weise wird es auch nicht langweilig.

Euer Laden in München ist ja längst mehr als ein Plattenladen. Wie geht das, einen echten Community-Ort zu erschaffen?

Dass der Laden zu diesem Ort wurde, liegt an den Leuten, die dort seit Jahren hingehen und natürlich an den Menschen die dort arbeiten und gearbeitet haben. Das hat sich immer weiter aufgebaut. Uns ist sehr wichtig, dass man gerne an die Orte geht, an denen wir etwas mit Public Possession machen.

"Am Ende sind wir bei Public Possession gelandet, weil es eine Idee vermittelt. Die Idee, dass wir Dinge gerne teilen."

Zu eurem Wiedererkennungswert gehören auch die bunten Visuals, die man auch oft auf T-Shirts sieht. Wie habt ihr euren Stil entwickelt?

Schwer zu sagen, das ist einfach passiert. Unsere Arbeitsweise ist ein Mix: Analog und Digital, Grafik und Text, Humor und Ernsthaftigkeit, Kollaborationen und Solo. Glück und Recherche. Studioarbeit und Live-Aktionen.

Wann wusstet ihr, dass Public Possession mehr als ein Hobby ist und ihr den Schritt in ein echtes Label und Format gehen wollt?

Wir haben P.P. von Anfang an mit der Intention gegründet, nur das zu machen. Mit Auf und Ab hat das bisher auch ganz gut geklappt!

Euer Name – Public Possession – klingt wie ein Statement. Welche Bedeutung steckt dahinter?

Die Namenssuche war sehr schwer. Am Ende sind wir bei Public Possession gelandet, weil es eine Idee vermittelt. Die Idee, dass wir Dinge gerne teilen.

Ihr habt ein sehr großes Netzwerk und setzt viele aber doch ausgewählte Kollaborationen um. Wie findet ihr die Balance zwischen Kreativität und den Anforderungen eines wirtschaftlichen Unternehmens?

Das ist ein ständiger Prozess und wir lernen jeden Tag aufs Neue. Gerade freuen wir uns sehr, dass das Interesse an P.P. so groß ist. Das bedeutet aber auch, dass wir unsere Zeit noch besser einteilen müssen. Zum Glück haben wir ein tolles Team, das organisch mit uns gewachsen ist. Ohne die wären wir verloren…

Welche Rolle spielen Räume für euch, sei es der Plattenladen, private Räume oder Orte, an denen ihr arbeitet?

Räume sind immer nur Mittel zum Zweck. Und das ist für uns schon primär das Zusammenkommen mit anderen Menschen. Aber man kann Räume natürlich so gestalten, dass die Menschen sich dort auch wohlfühlen, Spaß haben, mit einem positiven Gefühl nach Hause gehen. Das ist eine der Hauptaufgaben von Public Possession.

Wie sieht euer eigenes Verständnis von Wohnen aus? Was ist euch in den eigenen vier Wänden wichtig?

( Marvin ) Ich brauche Sauberkeit und ein gewisses Level an Ordnung (das bei uns daheim quasi nie erreicht wird). Davon abgesehen bin ich ein Sammler: Platten, Bücher, Vasen, Keramik und vieles mehr.

( Valentino ) Für mich spielen Licht und Material die größte Rolle. Und die Möglichkeit, ins Freie treten zu können. Einen Balkon, eine Terrasse oder einen Hof zu haben, ist für mich essenziell.

Was unterscheidet München und die Kreativszene dort von anderen

Großstädten wie Hamburg oder Berlin?

München ist ein Dorf. Jeder kennt jeden, wir mögen das sehr.

Welche Designer:innen, Architekt:innen oder Künstler:innen inspirieren euch in eurer eigenen Arbeit?

Wir hatten hier in München immer tolle Leute, die uns den Weg gezeigt haben. GOMMA, SmalPaze und Benny Röder zum Beispiel. Darüber hinaus sind wir große Fans von den alltäglichen Dingen: Signage von Gewerken, kulturelle Symbole. Also Grafik, die nicht als Design gesehen wird.

Was würdet ihr jungen Kreativen raten, die versuchen, Leidenschaft, Design, Musik und Unternehmertum miteinander zu verbinden?

Viel ausprobieren und dem eigenen Instinkt folgen. Fehler machen. Spaß haben. Nicht aufhören. (Man muss) nicht alles allein machen; der große Vorteil bei Public Possession ist, dass es immer eine zweite Meinung gibt.