Design-Hype aus L.A.
Austin Leis
Austin Leis über das Leben in L.A., seine Arbeit für Galerie Half und seinen Hang zu Midcentury Design

Austin ist Fotograf für bekannte Marken, wie RIMOWA, Architektur und arbeitet außerdem in der wohl bekanntesten Interior-Galerie der Welt in Los Angeles: Galerie Half. Hier kaufen Celebrities und Design Fans aus der ganzen Welt Original-Entwürfe aus der Midcentury-Zeit von Jean Prouve, Charlotte Perriand & Co. Wir haben uns mit ihm über diesen Hype und sein Leben in L.A. unterhalten. Außerdem bekommen wir Einblicke in sein großartiges Apartment.

Austin, Du arbeitest und lebst in L.A., dem wohl interessantesten Ort für Liebhaber von Midcentury Design... Gib uns doch mal einen Einblick in Dein tägliches Leben und was Dich an deiner Gegend am meisten reizt.

L.A. ist ein idealer Ort für alle, die sich der Architektur verschrieben haben; das Design und die Wohnlandschaft bieten ein wunderbares Spektrum, das von den spanischen Häusern der 1920er Jahre, den Tudors und dem kalifornischen Mid-Century bis hin zu RM Schindler, Richard Neutra, Ray Kappe, Frank Lloyd Wright, Irving Gill, John Lautner und Frank Gehry reicht; und sie alle harmonieren in der Landschaft von Los Angeles so gut und natürlich miteinander. Es ist ein wirklich wunderbarer Ort zum Leben und um durch die Stadtteile zu fahren und die verschiedenen Richtungen und Designs zu bewundern. Solange es sich nicht um neue "McMansions" handelt, die den Vierteln den letzten Rest an Einzigartigkeit und Identität rauben... merkt man, dass ich eine Leidenschaft für dieses Thema habe? (lacht).
Das tägliche Leben ist ziemlich normal, nichts übermäßig kompliziert oder aufregend. Der Verkehr in L.A. ist notorisch zermürbend, also muss man ständig neue Musik für die Fahrt finden. Ich arbeite normalerweise die ganze Woche über in meinem Job; ich arbeite in einer Galerie in LA. Mein Chef und meine Kollegen unterstützen meinen Wunsch, neben meinem Job auch als Fotograf zu arbeiten, auf wunderbare Weise. So bin ich in der Lage, ohne große Unterbrechung meiner Arbeit in der Galerie auch zu fotografieren, wenn es sich ergibt. Das Attraktivste an meinem Viertel (Highland Park) ist die Nähe zur Natur und die Möglichkeit, zu Fuß zu gehen (LA wurde für Autos gebaut, und die East Side von LA ist sehr fußgängerfreundlich). Es ist eine sehr hügelige Gegend, etwa 15 Meilen südlich der San Gabriel Mountain Range. Sowohl Highland Park als auch Mt. Washington (die nächste Nachbarschaft) haben eine reiche Geschichte; ein Großteil der Häuser in der Gegend wurde ursprünglich als Jagdhütten für Westsider in den frühen 1900er Jahren gebaut. Man kann in die Hügel hinauffahren und sich sehr abgelegen und ruhig fühlen. Es ist aber nicht ungewöhnlich, dass man bei einem Spaziergang Kojoten sieht.

Als Fotograf arbeitest Du für bekannte Marken wie RIMOWA und gleichzeitig scheinst Du einen starken Fokus auf Architektur und Interieur zu haben. Kannst Du uns etwas über Deine Leidenschaft auf diesem Gebiet erzählen?

Meine Entwicklung in der Fotografie begann eigentlich als Hobby, indem ich meine Reisen und Urlaube dokumentierte; insbesondere jeden Ort, den ich besuchte und der für mich architektonisch bedeutsam oder interessant war. Daraus entwickelte sich auf natürliche Weise meine Liebe zum Design. Ich arbeite jetzt seit 7 Jahren im Bereich Design, und es war schon immer etwas, mit dem ich mich eng verbunden fühlte, egal ob es um Architektur, Autos, Gepäck oder Möbel ging. Ich hatte einfach das Glück, dass sich mein Hobby, Architektur und Design zu fotografieren, zu einem Shooting für Marken wie Rimowa entwickelt hat. Die Fotografie ist ein ideales Medium, weil jeder Mensch seine eigene Perspektive und Vision hat, und man kann diese Perspektive mit einem Klick auf einen Knopf sichtbar machen. Ich habe herausgefunden, dass eine gute Regel für die Zusammenarbeit mit Marken oder Designern darin besteht, sicherzustellen, dass der eigene Ethos mit dem des anderen übereinstimmt. Würde ich für eine Marke fotografieren, an die ich nicht glaube oder die ich nicht für mich selbst kaufen würde? Wahrscheinlich nicht, denn die Arbeit wird einen Mangel an Liebe oder Verständnis für das Produkt oder den Raum aufweisen.

Es gibt ein Foto Deines Wohnzimmers, das auf Instagram viral ging und Deinen Stil perfekt beschreibt, wie wir finden: sehr schlicht, natürlich, aber immer ergänzt durch seltene Designstücke. Wie würdest Du deinen Stil selbst beschreiben und worauf achtest Du bei der Einrichtung eines Raums?

Natürlichkeit und Klassik sind beides Sensibilitäten, die meiner Meinung nach für ein gutes, bewährtes Design wichtig sind. Ein Raum muss eine ganze Weile bewohnt werden, bevor man Entscheidungen über seine Gestaltung treffen kann; man muss seine Bedürfnisse verstehen und wissen, wie sie in dem Raum funktionieren, aber auch das Gefühl von Komfort und Wärme im Auge behalten (wenn das die Absicht ist). Dieser Raum war eine Gemeinschaftsarbeit von meiner Partnerin. Julia hat einen riesigen Anteil daran, dass es so schön geworden ist und dass unser Zuhause solch eine Wärme ausstrahlt - und es entwickelt sich kontinuierlich weiter. So gern ich auch alle seltenen Designerstücke hätte, finde ich es auch schön, wenn man seine eigenen Möbel auf der Grundlage seiner Bedürfnisse entwirft. Ich habe Beistelltische anfertigen lassen, ein Bett und ein Bücherregal selbst gebaut; nicht alles muss ein begehrtes Designerstück sein, aber es muss für einen selbst Sinn machen.

Du arbeitest mit der berühmten Galerie Half zusammen, die für ihre große Auswahl an Midcentury-Möbeln bekannt ist. Wie würdest Du den aktuellen Hype um diese Stücke beschreiben und welche Stücke gefallen Dir am besten?

Die Galerie Half ist seit mehr als einem Jahrzehnt ein echter Maßstab für guten Geschmack in der Welt des Designs. Es ist ein wunderbarer und lehrreicher Ort, an dem man sehr viel mitnehmen kann, denn die Arbeit dort ist fast so, als wäre man Dozent in einem Museum. Mit dem Unterschied, dass man mit den Stücken interagieren kann, anstatt sie aus der Ferne zu betrachten. In den letzten zwei Jahren gab es einen regelrechten Ansturm auf Möbel und Design-Pieces, was in vielerlei Hinsicht der Pandemie zu verdanken ist; alle waren gezwungen, zu Hause zu bleiben und in gewisser Weise ihre Räume neu zu gestalten. Das ist zwar wunderbar, und ein erneutes Interesse an Design ist sicherlich immer willkommen und schön, aber es hat auch seine Schattenseiten, insbesondere die Zunahme von Fälschungen und Reproduktionen. Zu sehen, wie sich minderwertige, nicht zertifizierte Reproduktionen von Jeanneret, Perriand, Scarpa und Bellini (um nur einige zu nennen) wie ein Lauffeuer verbreiten, ist schon ein wenig herzzerreißend.
Einige der Werke, die ich am meisten schätze, sind solche, die einfache Materialien mit einem modernen Ansatz verwenden; Pierre Chapo, Charlotte Perriand, Axel Einar Hjorth, Afra & Tobia Scarpa, Donald Judd, Roland Wilhelmsson und Just Andersen sprechen mich alle auf einer ganz besonderen Ebene an. Wenn ich nur ein einziges Stück in meinem Haus haben könnte, wäre es Maria Pergays "Flying Carpet" Daybed. Ich gehe mit dem Gedanken an dieses Daybed ins Bett, könnte man sagen, haha.

Gibt es Grundsätze, die jeder bei der Gestaltung der eigenen Räume befolgen kann - unabhängig vom Budget?

Wenn es darum geht, sein Zuhause einzurichten, sollte man sich Zeit nehmen. Das ist nichts, was man überstürzen kann, und ich glaube, das ist ein Fehler, den viele Leute machen. Ich glaube, man muss mit seinem Raum leben und dutzende Male an einer Stelle in der Wohnung vorbeigehen, bei der man das Gefühl hat, dass ihr etwas fehlt, bis man versteht, was dieser Raum braucht. Der spaßige Teil ist dann, das Stück zu finden, das der Raum braucht! Ich denke, dass es sich lohnt für Möbel zu sparen, die gut gemacht und langlebig sind. Viele Leute haben Schwierigkeiten zu verstehen, dass Möbel Kunst sind, trotz ihrer Funktionalität. Bücher, Keramiken und gute Kunst sind für ein warmes und gut gestaltetes Zuhause unerlässlich.

Noch drei kurze Fragen zum Abschluss:
Wer ist aktuell dein Lieblings-Designer?
Moderne Innenarchitekten: Studio Mellone, Joseph Dirand, Trevor Cheney.
Moderne Möbeldesigner: Green River Project, Giancarlo Valle, Pierre Yovanovitch.
Vintage-Möbel-Designer: Axel Einar Hjorth, Afra & Tobia Scarpa.

Ein Coffee-Table Book, dass es tatsächlich wert ist gelesen zu werden?
Wolfgang Tillmann - Saturated Light

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